Titanweiß (Titanium White) in Öl, Acryl und Gouache

Titanweiß ist das hellste und deckendste Weiß, das man als Künstler kaufen kann, und deshalb steht es auf fast jeder Palette. Auch bei mir ist es die Farbe, die am schnellsten leer ist. Ich nutze es in Öl, Acryl und Gouache für Lichter, Himmel und überall dort, wo ein Ton heller werden soll.

In diesem Artikel erfährst du, was Titanweiß ausmacht, wie es sich in den drei Medien unterscheidet und worauf du beim Mischen achten solltest, damit deine Farben nicht kreidig werden.

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Steckbrief: Titanweiß auf einen Blick

EigenschaftenTitanweiß
PigmentPW6 (Titandioxid)
Andere NamenTitanium White, Titanweiss, Titanium Dioxide White; in Gouache oft „Permanent White“
Farbtemperaturneutral bis leicht kühl
Deckkraftsehr hoch, das deckendste Weiß
Färbekraftsehr hoch
Lichtechtigkeitausgezeichnet (ASTM I)
Trocknung in Öllangsam bis mittel, je nach Bindemittelöl
Giftigkeitals Farbe unbedenklich
Meine MarkenBoesner Öl Studio, Winsor & Newton Ölfarbe (*)

Was ist Titanweiß eigentlich, und woraus besteht es?

Titanweiß besteht aus Titandioxid, einem mineralischen Pigment mit der Bezeichnung PW6. Es ist ein vergleichsweise junges Künstlerpigment: Industriell hergestellt wird es erst seit etwa 1920. Davor malten Generationen von Malern mit Bleiweiß, später auch mit Zinkweiß.

Titandioxid begegnet dir übrigens auch außerhalb des Ateliers, etwa in Wandfarbe, Papier und Sonnencreme. Seine Stärke ist überall dieselbe: Es streut Licht extrem stark und deckt dadurch fast alles ab.

Wie sieht Titanweiß aus der Tube aus, und wie verdünnt?

Direkt aus der Tube ist Titanweiß ein sehr reines, kräftiges Weiß. Neben Zinkweiß wirkt es eine Spur wärmer und heller, neben Bleiweiß eher kühl und etwas „hart“.


Dünn aufgetragen bleibt es erstaunlich deckend. Eine echte Lasur gelingt damit kaum, eher ein milchiger Schleier, der alles darunter aufhellt und etwas kühler erscheinen lässt.

Deckt Titanweiß gut, oder scheint der Untergrund durch?

Titanweiß deckt so gut wie kein anderes Weiß. Eine Schicht reicht meist, um eine dunkle Stelle vollständig zu übermalen. Das ist praktisch für Korrekturen und kräftige Lichter.

Die Kehrseite: Es dominiert Mischungen schnell. Schon eine kleine Menge hellt einen Ton deutlich auf und nimmt ihm Leuchtkraft. Mehr dazu weiter unten bei den Fehlern.

Wofür setze ich Titanweiß in meinen Bildern ein?

Ich nutze Titanweiß vor allem für drei Dinge:

  • Lichter und Glanzpunkte. Ein dicker, pastoser Tupfer zum Schluss setzt den hellsten Punkt im Bild.
  • Himmel und Wolken. Gemischt mit Blau baut es Verläufe vom Horizont bis zum Zenit auf.
  • Aufhellen von Mischungen. Fast jeder helle Ton auf meiner Palette enthält etwas Titanweiß.

In Plain Field No. 1 wurde Titanweiß zusammen mit Ultramarinblau verwendet um den Himmel aufzuhellen und einen Wolkeneffekt zu erziehlen.

Titanweiß in Öl, Acryl und Gouache: die Unterschiede auf einen Blick

Das Pigment ist in allen drei Farben dasselbe, aber das Bindemittel verändert, wie sich das Weiß verhält.

ÖlAcrylGouache
Deckkraftsehr hochsehr hochsehr hoch, matt
TrocknungTage, je nach ÖlMinutenMinuten, bleibt wieder anlösbar
Veränderung beim Trocknenkaum, kann leicht vergilbentrocknet minimal dunklerMischtöne trocknen etwas anders, meist leicht dunkel
Oberflächeseidig bis glänzendseidenmattsamtig matt
Typischer Einsatz bei mirLichter, Himmel, AufhellenUntermalung, Himmel, KorrekturenAufhellenm, Wellen, Himmel

Wie verhält sich Titanweiß in Ölfarbe?

In Öl ist Titanweiß ein verlässliches Arbeitsweiß, mit zwei Besonderheiten.

Es trocknet eher langsam. Damit Titanweiß möglichst wenig vergilbt, binden viele Hersteller es in Distelöl oder Mohnöl statt in Leinöl. Diese Öle gilben weniger, trocknen aber langsamer. Rechne bei dicken Schichten mit mehreren Tagen, bis sie berührungstrocken sind.

Viele „Titanweiß“-Tuben enthalten auch Zinkweiß. Das verbessert die Streichfähigkeit, kann aber spröde Farbschichten begünstigen. Ein Blick auf die Pigmentangabe lohnt sich: Steht dort PW6 und PW4, ist es eine Mischung.

Für „Fett über Mager“ ist Titanweiß unproblematisch. Bei pastosen Lichtern in den oberen Schichten passt es gut, weil es ohnehin zum Schluss aufgetragen wird.

Und wie verhält sich Titanweiß in Acryl?

In Acryl spielt Titanweiß seine Deckkraft voll aus. Es eignet sich ideal, um Fehler zu übermalen oder eine dunkle Fläche neu anzulegen.

In Acryl spielt Titanweiß seine Deckkraft voll aus. Es eignet sich ideal, um Fehler zu übermalen oder eine dunkle Fläche neu anzulegen.

Acryl trocknet minimal dunkler. Das Bindemittel ist nass milchig und wird beim Trocknen klar. Bei reinem Weiß fällt das kaum auf, bei hellen Mischtönen schon. Mische Pastelltöne deshalb eine Spur heller, als sie am Ende sein sollen.

Weiche Übergänge brauchen Tempo. Weil Acryl in Minuten trocknet, gelingen Verläufe mit Weiß schwerer als in Öl. Ein Verzögerer (Retarder) oder eine Sprühflasche helfen.

Wie verhält sich Titanweiß als Gouache?

In Gouache heißt Titanweiß oft „Permanent White“ oder schlicht „White“. Prüfe die Pigmentangabe: Steht dort PW6, ist es Titanweiß. „Zinc White“ (PW4) ist dagegen deutlich transparenter.

Gouache bleibt wieder anlösbar. Malst du mit nassem Pinsel über eine getrocknete Schicht, löst sich die untere Farbe an. Für saubere weiße Lichter hilft es, die Farbe etwas dicker anzumischen und den Strich in einem Zug zu setzen.

Mischtöne verändern sich beim Trocknen. Bei Gouache trocknen helle Töne oft etwas dunkler und dunkle Töne heller. Ein Probestrich auf einem Papierrest zeigt dir den endgültigen Ton.

Die Oberfläche wird samtig matt. Gerade Weiß wirkt dadurch besonders hell und kalkig, was bei Schnee oder Nebel sehr schön sein kann.

Womit mische ich Titanweiß am liebsten?

Titanweiß ist ein Mischpartner für fast alles. Diese Kombinationen nutze ich am häufigsten:

  • Mit Ultramarinblau für Himmel: ein klares, leicht violettes Blau, das zum Horizont hin heller wird.
  • Mit Gebrannter Siena und einem Hauch Kadmiumgelb für warme Hauttöne und sonnige Lichter.
  • Mit Komplementärfarben für gebrochene Grautöne, die lebendiger wirken als Schwarz und Weiß.

Welche Fehler sollte man mit Titanweiß vermeiden?

  • Zu viel Weiß macht Farben kreidig. Titanweiß hellt nicht nur auf, es nimmt Farben auch Sättigung. Gib es in kleinen Mengen dazu und prüfe den Ton nach jedem Schritt.
  • Weiß ist nicht automatisch Licht. Echte Lichter wirken oft heller, wenn du sie leicht warm (mit einem Hauch Gelb) oder leicht kühl tönst, statt reines Weiß zu nehmen.
  • Zu früh zu viel Weiß im Bild. Hebst du das hellste Weiß für den Schluss auf, bleiben dir Steigerungen übrig.
  • Unsauberer Pinsel. Titanweiß verschmutzt schnell. Ein eigener Pinsel nur für helle Töne spart viel Ärger.

Ist Titanweiß giftig?

Titanweiß gilt als Farbe als unbedenklich. Es ist deutlich harmloser als das historische Bleiweiß, das giftig ist.

Vorsicht ist nur beim Staub geboten: Schleifst du getrocknete Farbschichten ab, trag eine Staubmaske. Ansonsten gelten die üblichen Atelierregeln, also nicht essen beim Malen und Hände nach der Arbeit waschen.

WeißPigmentDeckkraftGut für
TitanweißPW6sehr hochLichter, Korrekturen, Aufhellen
ZinkweißPW4gering, lasierendzarte Aufhellung, Lasuren
Mischweiß (Titan-Zink)PW6 + PW4hochAllround, angenehme Konsistenz
Bleiweiß (nur Öl)PW1hochweiche Übergänge, flexible Schichten; giftig

Lohnt sich Künstlerqualität bei Titanweiß?

Bei Titanweiß ist der Unterschied zwischen Studien- und Künstlerqualität kleiner als bei teuren Pigmenten wie Kadmium oder Kobalt. Titandioxid ist günstig, deshalb sparen Hersteller hier selten am Pigment.

Unterschiede zeigen sich eher bei der Konsistenz, der Füllstoffmenge und dem Bindemittel. Weil Weiß die meistgenutzte Farbe ist, lohnt sich oft eine große Tube einer guten Marke.

Mein Fazit zu Titanweiß

Titanweiß ist für mich die Grundlage der Palette, in Öl, Acryl und Gouache gleichermaßen. Es deckt wie kein anderes Weiß, ist lichtecht und günstig. Gerade wegen seiner Stärke lohnt es sich aber, es sparsam einzusetzen, damit Farben ihre Leuchtkraft behalten.

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